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Wie man die Atemschutzüberwachung verantwortungsvoll gestalten kann

atemschutzDie Atemschutzüberwachung an der Einsatzstelle ist integraler Bestandteil des Einsatzerfolges und der Sicherheit der Einsatzkräfte. Deshalb sollte diese Aufgabe von verantwortungsbewussten und erfahrenen Führungskräften übernommen werden. Welche Punkte sind zu beachten und wie kann die Überwachung gestaltet werden?

Die Atemschutzüberwachung verantwortungsvoll gestalten

Personal für Atemschutzüberwachung

Einsatzkräfte sind rar. Die andauernden Veränderungen - demografischer, gesundheitlicher und sonstiger Art - sorgen vielerorts dafür, dass die Anzahl der Atemschutzgeräteträger begrenzt ist. Trotzdem darf nicht die Versuchung aufkommen, die Atemschutzüberwachung einzig und allein in die Hände von unerfahrenen Kräften zu geben. Die Überwachung von Atemschutzgeräteträgern erfordert weit mehr als die Aufnahme von Namen oder Steckkarten und das Einstellen von Uhren. Atemschutzüberwachung bedeutet Gestaltung des Einsatzverlaufes und effektive Nutzung der Ressourcen bei maximal möglicher Sicherheit für die Einsatzkräfte. Dies ist eindeutig Führungsaufgabe für Einsatzkräfte, die auch Erfahrungen im Innenangriff haben sollten.

Die Anzahl der eingesetzten Atemschutzgeräteträger und die Größe der Einsatzstelle hinsichtlich Brandverlauf und räumlicher Ausdehnung bestimmen, wie viel Personal benötigt wird. Ein Zimmerbrand mit einem Trupp im Einsatz und einem Sicherheitstrupp in Bereitstellung kann von einem Überwacher gestaltet werden.

Mehr zum Thema Atemschutzüberwachung Großeinsatzstellen mit mehreren Trupps im Innenangriff, Aufbau eines Gerätepools und Geräteträgerpools, Aufbau einer Ruhe- und Erholungszone, benötigen ein Überwachungsteam zur Koordinierung und Durchführung.

Aufgabenstellung für die Atemschutzüberwachung

Welche Aufgaben obliegen nun der Atemschutzüberwachung?

Oberflächlich betrachtet gehört dazu zuallererst die Erfassung der Einsatzkräfte, die Atemschutz anschließen und in den Angriff gehen. Dazu noch die regelmäßige Druckabfrage. Umstehende können leicht den Eindruck gewinnen, dass der Atemschutzüberwacher lediglich herumsteht und nichts tut.

Jeder, der an größeren Einsatzstellen die Gesamtüberwachung innehatte, wird dies bestätigen. Der „Überwacher“ muss vielmehr einschätzen können, wie sich die Arbeit in der Einsatzstelle optimal vollziehen lässt. Hier ein Auszug der Fragen, die er sich ständig beantworten muss:

  • Ist die geplante Arbeitszeit realistisch oder zu lange angesetzt?
  • Wird mehr oder weniger Luft verbraucht als geplant?
  • Wann wird ein Ersatztrupp zur Ablösung gebraucht?
  • Sind ausreichend Kräfte vor Ort, oder muss nachalarmiert werden?
  • Sind ausreichend Geräte vor Ort?
  • Abschätzung des Bedarfs bis zum Einsatzende?

Dazu ist Erfahrung notwendig. Wird zu spät an die Nachalarmierung oder die Nachlieferung von Atemschutzgeräten gedacht, steht der Einsatzerfolg auf dem Spiel.

Mehr zum Thema Atemschutz

  • Zu frühes, nicht notwendiges Nachalarmieren bindet Ressourcen und schwächt die Einsatzkräfte an anderer Stelle.
  • Bei Großschadenslagen Atemschutzüberwachung verstärken
  • Handelt es sich um eine Großschadenslage und werden Atemschutzgeräteträger in größerer Anzahl benötigt, ist die Zeit des einzelnen Überwachers vorbei. Eine Führungsgruppe muss nun den Abschnitt Atemschutz übernehmen. Die Aufgaben dieser Gruppe sind vielfältig und können hier nur angerissen werden:
  • Überwachung der im Innenangriff eingesetzten Kräfte. Wenn mehrere Trupps zu unterschiedlichen Zeiten ihre Lungenautomaten angeschlossen haben und in unterschiedlichen Gebäudeteilen arbeiten, wird es anspruchsvoll die Übersicht zu behalten. Wenn möglich sollten dann für die reine Atemschutzüberwachung mindestens zwei Kräfte eingesetzt werden, die sich gegenseitig kontrollieren. Nichts schlimmer, als wenn ein Trupp überfällig ist und niemand bemerkt es.
  • Sicherheitsplanung.
  • Wie viele Sicherheitstrupps sind notwendig? Wo müssen sie mit welcher Ausrüstung positioniert werden? Wann müssen sie ausgetauscht werden? Ist die Kompatibilität der Ausrüstung gegeben?
  • Kommunikationsplanung.
  • Große Einsatzstellen haben oft ein Kommunikationsproblem. Zu viele Kräfte benutzen denselben Funkkanal. Ab wann wird ein extra Kanal für Atemschutzüberwachung und Atemschutzgeräteträger verwendet? Wie kann die zeitgleiche Umschaltung und Kontrolle der Kommunikation stattfinden? Wie erfolgt die Überwachung der Empfangs- und Sendefähigkeit Überwacher – Innenangriff – Sicherheitstrupp? Welche Rückfallebenen sind geplant? Welche Notsignale sind vereinbart und lösen standardisierte Abläufe aus?
  • Bedarfsplanung.
  • In welchem Stadium befindet sich der Brand? Wie viele Kräfte werden noch für den Innenangriff voraussichtlich benötigt? Wie viele Atemschutzgeräte sind vor Ort? Wie viele Einsatzkräfte sind vor Ort, die herangezogen werden können?
  • Ressourcenplanung.
  • Wann muss nachalarmiert werden? Woher sind zusätzliche Atemschutzgeräte zu bekommen? Wo können Atemluftflaschen gefüllt werden? Wer übernimmt Pendelverkehr?
  • Geräteträgerpool.
  • An welcher Stelle wird der Geräteträgerpool eingerichtet? Was wird dort benötigt? Organisation der Bereitstellung der Einsatzkräfte und Atemschutzgeräte im Pool. Der Austausch von Kräften im Innenangriff durch frische Geräteträger muss unter Umständen im Minutentakt erfolgen.
  • Ruhe- und Erholungsbereich.
  • Der Ruhebereich muss einerseits weit genug von der Einsatzstelle entfernt sein, um Ruhe zu gewährleisten. Andererseits muss ständige Verbindung zur Überwachungsführung bestehen, um erholte Kräfte wieder eingliedern zu können, wenn notwendig. Wie und durch wen erfolgen medizinische und psychologische Betreuung sowie Versorgung mit Flüssigkeit. Mehrstündige Einsätze erfordern auch Essen. Das Essen muss einerseits die notwendigen Nährstoffe liefern, darf aber andererseits nicht einem Sonntagsbraten ähneln, der die Einsatzfähigkeit schwächt.
  • Fazit

    Schon dieser kleine Ausschnitt aus den Aufgaben der Atemschutzüberwachung macht deutlich, dass es sich um keine Tätigkeit handelt, die nebenbei erledigt werden kann.

    Planen Sie deshalb im Voraus, wer in solchen Situationen die Atemschutzüberwachung übernimmt. Welche Führungskräfte sind geeignet und entsprechend stressresistent?

    Üben Sie die Atemschutzüberwachung. Fangen Sie mit einem Standardzimmerbrand an. Lassen Sie dann etwas „schief gehen“ und den Sicherheitstrupp zum Einsatz kommen. Wie reagiert die Überwachung?

    Steigern Sie dann in den Übungen die Anzahl der zu überwachenden Einsatzkräfte und den Bedarf an Atemschutzgeräteträgern.

    Auch die Atemschutzüberwachung will gelernt sein.

    Markus E. Ungerer, Fachjournalist

    Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 12. Februar 2010 um 21:47 Uhr  

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